black_cat
Gratis bloggen bei
myblog.de


Midnight Raven



______________________________________________________________________

Das ist... eine Geschichte, eine längere Geschichte, und ich weiß nicht, was ich damit anfangen will. Sie ist erfunden, aber hat doch ziemlich viel mit mir zu tun... Werdet ihr schon sehen, wenn genug geschrieben ist.

Ich habe schon den ersten Teil geschrieben, und werde das auch online stellen, aber ich möchte hier den zweiten schreiben. Schreiben heißt nicht nochmal-durchgelesen, das kommt alles noch.

 

'Siehst du die Menschen? Laufen an alles vorbei, blind, hastig, als ob keiner etwas besseres zu tun hätte, als sich um ihre Probleme zu kümmern. Sie glauben, dass das, was sie betrifft, alle betrifft. Und denen juckt's nicht einen feuchten Dreck, dass es den meisten nicht interessiert. Es betrifft sie nicht...' Die junge Frau spuckte auf den Boden. 'Verstehst du? DAS halte ich von euren Problemen, ihr Zombies!'

Aileen rieb sich nervös die Hände. Sie mochte diese junge, direkte Frau, die so mutig über diese Leute sprach, aber manchmal waren ihre Reden zu übertrieben. Sie legte Wert drauf, dass sie sich selbst war, ohne Rücksicht auf Verluste. Solche Eigenschaften mochte Lini, aber zu viel ist nie gut.

Die junge Frau, Assi, holte eine Flasche Radler aus ihrer Tasche und gab sie der jungen Künstlerin. 'Nach nem langen Tag musst du dich entspannen,' meinte sie und öffnete die Flasche.

Der Satz konnte Lini nur zu gut zustimmen. 'Wie recht du hast.' Und jetzt, um viertel nach 4 (Segne die Kirchturmuhr), war es Zeit, mit dem Leben anzufangen. Heute war Freitag. Das hieß für sie nicht heute durchfeiern und morgen ausschlafen, sondern wie es jeden Tag hieß: Heute durchfeiern und morgen früh raus, wieder arbeiten. Und dieser Lebensstil, egal wie anstrengend, liebte sie.

'Und wo hast du dich Heute rumgetrieben, Assi?'

'Das übliche.' Aber Lini wusste, Das übliche hieß Ich will nicht drüber reden.

Assi war eine merkwürdige Frau. Mit ihren 21 Jahren wohnte sie noch zuhause, glaubten zumindest alle, und hatte keinen Job. Sie hatte den Hirn für die bestbezahlte Karriere überhaupt, nur wusste keiner warum sie von frühmorgens bis... frühmorgens in der Innenstadt rumhing und nichts aus sich machte. Sogar sie glaubte, dass sie Potential hatte, und es war nicht zu spät, aber irgendwas ging in ihrem Elternhaus vor, das keiner erfahren sollte.

Sie war für Lini jemand, auf der man sich verlassen konnte. Nicht nur, weil sie besonders treu war, sonder einfach weil sie meistens nichts besseres zu tun hatte als auf den Treppen der Königspassage zu sitzen und die Vorbeigehenden anzustarren. Wenn es etwas zu tun gab, tat sie es, und wenn nicht war sie immer an einer ihrer Lieblingsorte zu finden. Und immer mit Bier in der Hand und Kippe im Mund.

Immer.

Die zwei hatten zu sich gefunden kurz nachdem Lini auf der Straße gelandet war. Damals fing sie mit einem Notizblock an Portraits zu zeichnen und nur 3 Euro zu verlangen. Und irgendwann kam Assi vorbei, setzte sich hin, und sagte schließlich, nachdem das Bild schon fertig war, dass 3 Euro zu viel sind für eine Bleistiftzeichnung auf kariertem A6 Papier.

'Angebot und Nachfrage' hatte sie schließlich gesagt, mit einem herzhaften Lachen das der Anfang einer langen Freundschaft verkündete.

Assi war nicht die einzige Person, die Aileen in ihrem Jahr auf der Straße gefunden hatte. Sie hatte fast eine ganze Familie gefunden, die Familie, die ihr sonst immer gefehlt hatte. Eine Familie war nicht ein Haufen Leute, die mit dir leben und dich mit Nahrung und einem Dach über den Kopf versorgten - eine Familie war ein Haufen Leute, die dir am Herzen lagen. Ein Haufen Leute, denen du etwas bedeutest. Lini freute sich riesig, solche Leute gefunden zu haben, und schätzte jeden Tag, den sie für sie da waren.

Lini konnte sich über viele Sachen freuen. Sie war schon immer ein emotionaler Mensch gewesen, und jeder kleine Erfolg brachte das Strahlen zurück in ihren Augen. Aber auch jedes kleine Missgeschick versetzte sie 3 Sprossen zurück auf ihrem Gefühlsleiter. Und unter 'kleinem Missgeschick' war wirklich alles zu verstehen - alles von von Zuahuse rausgeschmissen zu werden bis 5 cent zu wenig für ihr Mittagessen zu haben.

Und dabei konnte Aileen sehr gut ihre Gefühle verbergen - einer der vielen Paradoxen von ihrer Persönlichkeit. Immer alles objektiv betrachten zu müssen hatte mit ihren Hirn gespielt - Irgendwann konnte sie nur die guten Seiten von jedes Argument sehen, und das hieß von jeder Seite die schlechten Aspekte rauszulassen. Wenn jemand mit sie diskutierte, konnte sie sich auf keiner Seite endgültig stellen, da sie immer beide Seiten verstand. Und irgendwann hatte sie den Überblick verloren, und zwei völlig gegensätzliche Menschen erschaffen.

Und blieb dabei völlig klar im Kopf.

Schon viele Leute hatte sie für Schizophren gehalten, aber gleichzeitig beide Seiten ihrer Selbst zu zeigen hatte nichts mit zwei Persönlichkeiten zu tun. Das war ihre einzige Persönlichkeit; das war sie.

Darauf war sie stolz. Sie war im allgemeinen sehr stolz auf sich und was sie geleistet hatte. Sie verwandelte sich in einem Jahr von einem schwachen, unsicheres, flennendes Kind zu einer starken, unabhängigen jungen Frau. Das einzige, was sie wirklich schade fand, war das sie keine Chance hatte, aus dieser endlosen Kluft zu entkommen.

Zumindest gefiel es ihr.

'Und du?' Lini wurde ruckartig aus ihrer Trance gerissen. 'Über was denkst denn nach?' sagte ihre Freundin mit einem listigen Lächeln.

Sie schüttelte den Kopf und betrachtete die Straße vor ihr. Heute waren wirklich viele Menschen unterwegs, dachte sie. Die breite Straße vor ihnen war voll, und der grüne Platz mit den zwei Brunnen und einer riesigen Säule dahinter auch. Es war ein warmer Tag, und anscheinend dachten viele, sie könnten sich in der Stadt auf dem Gras einen schönen Tag machen. Würde sie auch, gleich, und holte ihr Handy raus.

Dieses Handy war für Lini Lebensnotwendig - Alle Nummern von potenziellen Übernachtungen waren da drin, und wenn sie den verlor konnte sie sich im Gebüsch im Park eine ruhige Ecke suchen und hoffen, dass sie im Schlaf nicht ausgeraubt wurde. In jeder Stadt gibt es die Gammler, die jeden Tag rumhingen, aber meistens noch ein warmes Bett daheim bei Mami hatten - und viele davon würden Aileen für eine Nacht einen Schlafplatz leihen.

Beobachtet von Assi suchte sie eine bekannte Nummer und legte den Hörer an ihr Ohr.

'Ja?' knisterte es.

'Hey hey Kindchen' neckte Lini. Erst jetzt fiel ihr auf wie laut die Stadt war, obwohl kaum Leute an den Treppen saßen. 'Kommst heut vorbei?'

Verärgert klang die Stimme ihrer besten Freundin wieder aus dem Hörer. 'Ja ja, hatt ich vor... Brauch hier aber noch ne Weile, wo bist du?'

'Sitz hier mit Assi vorm Schlossplatz.'

'Mmrgh...' Lini musste grinsen. Obwohl sie viel mit beiden Frauen zu tun hatte, konnten sie sich gegenseitig gar nicht leiden. 'Willst vorbeikommen?'

Sie murmelte nur ihrer Zustimmung zu, und legte auf. 'Ich geh zu Mari, wir kommen nachher wieder,' sagte sie zu der anderen. Sie griff in ihrer Tasche und holte nen 5er Schein, frischbekommen. 'Willst uns nen 6er holen?'

Assi zuckte die Achseln und schaute Aileen nach. Nen 6er zu dritt waren 2 Flaschen für sie... Umsonst. Sie stand selber auf und drehte sich in Richtung Aldi. Bier umsonst war immer gut...

 

20.8.07 06:21
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen


______________________________________________________________________